Feiern mit schalem Beigeschmack

Anfang September stolperte ich über einen Beitrag im derstandard.at über die fünfzehn Jahr Feier der Wiener Tafel und habe für mich einen gewissen schalen Beigeschmack empfunden. Weniger über die Institution selbst, auch nicht, dass diese ihr Bestehen feiert, sondern eher die traurige Tatsache, dass derartige soziale Einrichtungen bereits seit fünfzehn Jahren in Wien existieren und mittlerweile mehr denn je benötigt werden.

Doch zurück zum Anfang, was macht die Wiener Tafel? Sie ist eine Möglichkeit für sozial schwache Personen in Wien, um wenig bis gar kein Geld über Unterstützungen, an Lebensmittel zu gelangen.

Klingt jetzt schockierend? Ist es auch. Denn wir sprechen tatsächlich davon, dass ein nicht unbeträchtlicher Anteil in Österreichs Hauptstadt leider nicht immer in der Lage ist, sich und seiner Familie etwas essbares zu kaufen. Angefangen von Nudeln und Reis bis hin zu Obst, Gemüse, Salat und einfaches Brot. Nein, wir sprechen hier nicht von Luxusgütern, sondern tatsächlich einer Grundversorgung an Nahrungsmitteln.

Was mich persönlich wiederrum zu der Frage brachte, wie hoch ist eigentlich der tatsächliche, letztwissende Anteil an „armen“ Menschen in Österreich? Und hierzu hat mir zum Einen die Statistik Austria, als auch Werte der Volkshilfe Österreich um zu einem, doch recht erschreckenden Ergebnis zu kommen: Im Jahr 2012 befangen sich rund 5% der österreichischen Bevölkerung in der Gruppe „manifest arm“. Was soviel bedeutet, wie wenn ein Haushalt von Einkommensarmut und von so genannten „Einschränkungen in zentralen Lebensbereichen“ betroffen ist. Darunter versteht man, dass beispielsweise die Wohnung nicht angemessen geheizt oder abgetragene Kleidung nicht ersetzt werden kann.

Eine Tatsache die viele von uns als vollkommen selbstverständlich erachten und sich vielleicht gerade noch darüber beschweren, dass sie nicht die neuesten Tennisschuhe oder dem aktuellen Styling Trend entsprechen, ist in derartigen Fällen ferner jeder Vorstellung. Denn hier müssen Personen tatsächlich im Winter in einer minder beheizten Wohnung LEBEN!

Nun kann man sagen, gut, dass sind 5% in ganz Österreich und eigentlich noch überschaubar. So gesehen richtig. Doch wie sieht es mit den 13% der Bevölkerung aus, welche armutsgefährdet sind und dessen Haushaltseinkommen unter der Armutsgrenze liegt? Die restlichen 8% können sich zwar momentan noch über Wasser halten, doch wie lange? Wann kommt der Moment, dass diese „paar“ Prozent – wir sprechen hier immerhin von gesamt über einer Million Menschen (unter Betrachtung der 13% laut einer Zählung von 2012) – vollständig als „arm“ bezeichnet werden und es dann auch offensichtlich in den Augen der Gesellschaft sind?

Derartige Institutionen wie die Wiener Tafel sind wichtig und gehören entsprechend unterstützt, nichts desto trotz lässt es einen gravierenden Wehmutstropfen für mich persönlich über, wenn ich einerseits höre und lese wie „reich“ doch Österreich und West-/Mitteleuropa ist und andererseits mit der Tatsache konfrontiert werde, dass eine Organisation zur Verteilung von Lebensmitteln bereits seit fünfzehn Jahren in Wien sein dasein „feiern“ kann.

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Über Alexander Manuel S.Red 17 Artikel
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